Seit über 900 Tagen herrscht in der Ukraine Krieg. Seit dieser Zeit nur Tod und
Zerstörung – Tag für Tag und Nacht für Nacht ist die grenznahe Millionenmetropole Charkiw Ziel russischer Raketenangriffe. Die Schäden sind immens, oft sind Tote und Verletzte zu beklagen. „Unter ihnen sind auch viele Kinder, das ist besonders schlimm“, klagt Iwan Nemitschew unser Dolmetscher und berichtet, aktuell seien ganze Stadtviertel komplett zerstört. Weit über 130 000 Bürgerinnen und Bürger haben ihre Wohnungen verloren und sind nur notdürftig irgendwo untergebracht.
Die russischen Raketen, die die kommunale Infrastruktur rund um Wasser-, Gas- und Elektrizitätsversorgung treffen, sind Versuche, die Bevölkerung auch psychisch zu destabilisieren. Befürchtet wird, dass Charkiw mit diesen Angriffen allmählich unbewohnbar gemacht werden soll. „Und die Russen hatten und haben es darauf abgesehen, gerade unsere Stadt zu erobern“, sagt Iwan, „ihre Einheiten standen schon einmal auf der äußersten Ringstraße. Das weitere Vordringen konnte damals zum Glück verhindert werden.“
Nürnbergs Partnerstadt Charkiw braucht weiter jeden Beistand
Tatsächlich versuchen die Russen - bewusst oder unbewusst – ihr eigentliches Ziel, den Grund ihrer Anwesenheit, in Charkiw zu verschleiern. Ihr wenig überzeugendes Gerede von Entnazifizierung, das ist das Verschweigen, das Säubern der Sprache von dem, was sie eigentlich tun. Und was sie tun, ist Demontage ukrainischer Symbolik -das ist neben Morden, Plündern und dem Zerstören von Städten, ihr planmäßiges und zielgerichtetes Vorgehen. Sie wollen alles vernichten, was in der Ukraine von der Ukraine zeugt.
Charkiw, die Partnerstadt Nürnbergs und zweitgrößte Stadt der Ukraine gehört zu den Orten, die gerade ein besonderes Maß an Zerstörung erleben. Für Iwan ist es ein Überlebenskampf, nicht nur, was die Kriegshandlungen betrifft, auch die ärztliche Versorgung ist bei den vielen verwundeten Soldaten, Flüchtlingen und Schwerverletzten
in den Krankenhäusern alles andere als gut. „Die Bilder, die zeigen, wie meine Stadt vernichtet wird, sind für mich schwer zu ertragen“.
Echte Freundschaft zeigt sich in der Not
Dass wir seit 1992 dem Anbeginn – nunmehr 33 Jahre – finanzielle und humanitäre
Hilfe in Charkiw leisten konnten, verdanken wir der großzügigen und nie nachlassenden
Unterstützung vieler Bürgerinnen und Bürger vor allem aus dem Nürnberger Land.
Geld, mit dem wir schnell und unkompliziert helfen konnten. Am Anfang waren es Kleidung,
Schuhe und über 2900 Krankenbetten, Matratzen und medizinische Hilfsmittel, mittlerweile
ist es Bettwäsche für über 500 Krankenbetten, die unser AWO-Ortsverein in diesem Jahr
mit über 25.000 €uro finanzierte.
Für Körber und seine Mitstreiter ist das nicht enden wollende Leid in Charkiw kaum zu ertragen. In den beiden Sozialstationen, die mit uns zusammenarbeiten - sie liegen in den Stadtbezirken Kyivskyj und Saltivskyj - packen derzeit Mitarbeiter hunderte Lebensmittelpakete im Quartal und bringen diese unter schwierigsten Bedingungen und nicht selten unter Einsatz ihres Lebens zu den Hilfebedürftigen, damit diese in ihrem Zuhause bleiben und Überleben können.
„Überall zeigen sich die schrecklichen Verwüstungen des Krieges. Besonders nachts sind die Luftangriffe, die heulenden Sirenen und die wachsenden Zukunftssorgen schier unerträglich. Der russische Aggressor lässt Charkiw nicht zu einem normalen Leben zurückkehren“ erzählt mir Iwan am Telefon. Mir ist klar, dass nach der Eskalation vom vergangenen Wochenende beim Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Charkiw und der Ukraine noch viele Herausforderungen bevorstehen.
„Ich sehe, dass es bei uns in Charkiw viele Menschen gibt, die durch diesen Krieg depressiv geworden sind. Alle machen sich große Sorgen um die Zukunft. Wir warten täglich auf ein Kriegsende. Aber niemand weiß, wie lange der Krieg noch dauern wird“, sagt Iwan. Unter den ständigen Angriffen und andauerndem Beschuss bleibt den Menschen nur noch zu beten und auf Hilfe zu hoffen…
Unsere Hilfe in Charkiw muss also weitergehen, denn sie wird dringend gebraucht.
Fritz Körber
Vorsitzender der AWO-Behringersdorf-Schwaig
Wer den Menschen in Charkiw helfen möchte, kann an folgendes Konto spenden:
AWO-Behringersdorf-Schwaig
Stichwort: „Hilfe für Charkiw“
IBAN: DE 26 7605 0101 0240 251 785
Sparkasse Nürnberg




